DiesenMonat im Portrait

März 2026

Dieter Speth

Holzskulpturen mit Seele

@ Willi Klustrach

Laudatio – Die Würde des Gezeichneten

Mit großer Sensibilität für Material und Bedeutung erschafft Dieter Speth Skulpturen, die leise sprechen und lange nachwirken. Seine Arbeiten erzählen von Zeit, Wandel und Verletzlichkeit – und davon, wie aus dem scheinbar Wertlosen neue Würde entstehen kann.

Im Zentrum steht das Holz: rissig, verwittert, von Geschichte durchzogen. Diese Spuren begreift der Künstler nicht als Makel, sondern als Erinnerung. Der Eingriff bleibt respektvoll, die natürliche Unregelmäßigkeit erhalten. So entsteht eine Metamorphose, in der die „Seele des Holzes“ weiterlebt.

„Kunst ist für mich ein Dialog – zwischen Material und Idee, zwischen Werk und Betrachter.“

Durch die Kombination mit Granit und Gold öffnen sich neue Bedeutungsräume. Kontraste erden, heben hervor, verdichten Aussagen. Eine kleine Metalleule – wiederkehrendes Detail – begleitet viele Werke als stille Signatur.

Zwischen sozialkritischen Skulpturen, die den Blick auf die Opfer gesellschaftlicher Gewalt lenken, und heiteren, poetischen Arbeiten mit feinem Augenzwinkern schafft Dieter Speth Räume für Dialog. Seine Kunst erklärt nicht – sie lädt ein: zum Innehalten, zum Nachdenken und zum genauen Hinsehen.

Arbeitsweise

Die Arbeit von Dieter Speth beginnt meist mit dem Material selbst. Im Zentrum steht heimisches Holz, oft gezeichnet von Zeit, Verfall und Witterung. Risse, Löcher und Narben sind für ihn keine Makel, sondern Träger von Geschichte und Erinnerung. Sie geben Impulse, aus denen sich Form und Inhalt der Skulptur entwickeln.

Der künstlerische Eingriff erfolgt stets mit Respekt vor dem gewachsenen Material. Trotz Schnitzen, Formen, Bemalen oder Vergolden bleibt die natürliche Unregelmäßigkeit des Holzes erhalten. Das Holz erfährt eine Verwandlung, eine Metamorphose – ohne seine innere Eigenart zu verlieren. Die „Seele des Holzes“ soll spürbar bleiben.

Neben stark gealterten Hölzern arbeitet der Künstler auch mit glatten Stücken, insbesondere wenn deren Maserung eine besondere Ausdruckskraft besitzt. Diese kombiniert er bewusst mit kontrastierenden Materialien wie Granit oder Gold. Granit verleiht den Skulpturen Erdung und Halt, Gold setzt Akzente und hebt Bedeutungen hervor. Gelegentlich ergänzt er seine Werke durch ausgewählte Fundstücke, um die erzählte Geschichte zu verdichten.

Viele Skulpturen entstehen als erzählerische Arbeiten – sozialkritisch, nachdenklich oder heiter. Zu zahlreichen Werken hält Dieter Speth seine Gedanken während des Entstehungsprozesses schriftlich fest. So entsteht ein Dialog zwischen Werk und Betrachter, in dem unterschiedliche Wahrnehmungen und Deutungen bewusst Raum haben.

Interview mit Dieter Speth

Herr Speth, wann beginnt für Sie eine neue Skulptur?
Meist nicht mit einer klaren Idee, sondern mit dem Material. Ein Stück Holz zieht meine Aufmerksamkeit auf sich – durch seine Risse, seine Form, seine Geschichte. Daraus entwickelt sich der Gedanke, nicht umgekehrt.

Warum arbeiten Sie so häufig mit gezeichnetem, altem Holz?
Weil dieses Holz bereits ein Leben hinter sich hat. Es trägt Spuren von Zeit, Verfall und Veränderung. Genau diese Spuren interessieren mich. Sie erzählen mehr als ein makelloses Stück je könnte.

Ihre Werke verbinden Holz mit Granit und Gold. Was bedeutet diese Kombination für Sie?
Granit gibt Halt und Erdung, Gold hebt hervor. Beides dient nicht der Dekoration, sondern der Aussage. Es geht darum, Bedeutungen zu verdichten und Kontraste sichtbar zu machen.

Viele Ihrer Skulpturen sind sozialkritisch. Was treibt Sie dabei an?
Mich beschäftigt, dass oft über Täter gesprochen wird, aber zu wenig über die Opfer. Mit meinen Arbeiten möchte ich Aufmerksamkeit schaffen – still, aber nachhaltig.

Was wünschen Sie sich für die Begegnung zwischen Werk und Betrachter?
Zeit. Offenheit. Und vielleicht den Mut, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen. Wenn ein Gespräch entsteht, ist das für mich der schönste Teil meiner Arbeit.

In vielen Ihrer Arbeiten taucht eine kleine Eule auf. Welche Bedeutung hat sie für Sie?
Die Eule hat sich mittlerweile zu meiner Signatur entwickelt. Sie ist kein festes Symbol, eher ein augenzwinkernder Beobachter. Vielleicht steht sie für Aufmerksamkeit, für Wachsamkeit – oder einfach dafür, genau hinzusehen.

Spielen die begleitenden Texte zu Ihren Skulpturen eine wichtige Rolle?
Ja, sehr. Ich halte meine Gedanken manchmal vor, aber oft auch nach der Bearbeitung einer Skulptur schriftlich fest, denn oft entsteht während der Arbeit noch ein neuer Gedanke. Der Betrachter muss ihnen nicht folgen, aber sie bieten eine weitere Ebene. Besonders spannend ist es wenn die Wahrnehmung des Betrachters und mein Text auseinandergehen – daraus entstehen oft sehr gute Gespräche.

Die Engelin

Skulptur „Die Engelin“ von Dieter Speth: moderne Engel-Figur mit goldenen Flügeln, silbernem Oberkörper und patinierten Beinen auf schwarzem Sockel mit roter Handtasche

„Die Engelin“ oszilliert zwischen Transzendenz und Gegenwart. Die Figur steht für das Moment des „Beflügelt-Seins“ – als innerer Zustand, nicht als religiöse Zuschreibung. Loslassen, Aufstieg, Selbstermächtigung. Der Körper ist reduziert, fast fragmentarisch, und doch von einer klaren Präsenz getragen. Gerade in dieser Reduktion entsteht Spannung – zwischen Schwebe und Standhaftigkeit.

Formal verbindet die Arbeit stilisierte Leichtigkeit mit bewusster Materialspannung: Gold und Silber treffen auf patinierte Flächen, organische Flügel auf eine nahezu skulpturale Reduktion des Körpers. Die Oberflächen changieren zwischen Glanz und Mattheit, zwischen Wärme und Kühle. Der angedeutete Brustpanzer fungiert als Zeichen von Wehrhaftigkeit und Schutz – Stärke wird hier nicht als Abwehr, sondern als Haltung verstanden. Schutz erscheint nicht als Rückzug, sondern als innere Stabilität.

Gleichzeitig trägt die Figur eine subtile Modernität in sich: Accessoires, Proportionen und Pose verweisen auf Zeitgenossenschaft. Die kleine Handtasche, die klar gesetzte Silhouette, die elegante Linienführung – all dies verortet die Engelin im Heute. Sie ist kein sakrales Wesen, sondern eine autonome Präsenz, eine Figur zwischen Ikone und Individuum.

In dieser Ambivalenz eröffnet sich auch eine mögliche Lesart als zeitgenössische „Nike“ – als Siegesfigur jenseits klassischer Heroisierung. Der Sieg liegt nicht im Triumph über andere, sondern im Durchschreiten von Verlust, Transformation und innerer Wandlung. „Die Engelin“ wird so zu einer Skulptur über innere Stärke, über das Aufrichten nach dem Bruch – und über die leise, aber entschlossene Kraft, weiterzugehen.

Zum Werk „Under Pressure“

Das Werk thematisiert den inneren Druck, der entsteht, wenn Menschen sich ständig an Maßstäben messen müssen – seien sie von außen gesetzt oder selbst auferlegt. Erwartungen, Vergleiche und das Gefühl, ihnen nicht zu genügen, können zu einem Zustand des Ausgeliefertseins führen: verletzlich, angespannt, unter Druck.

Gerade in verantwortungsvollen öffentlichen Ämtern ist diese Spannung allgegenwärtig. Entscheidungen stehen im Fokus der Öffentlichkeit, Bewertungen erfolgen oft schnell. „Under Pressure“ erinnert daran, dass hinter jeder Funktion immer der Mensch steht – mit Zweifeln, Grenzen und dem Bedürfnis nach Halt.

Der Künstler Dieter Speth hat das Werk persönlich zu Bernd Sibler ins Landratsamt gebracht und im Beisein von Florian Jung die Arbeit dem neuen Besitzer erläutert.

Wir gratulieren Dieter Speth herzlich zu diesem wunderbaren Erfolg

Under pressure

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Ich bin großer Fan von Dieter und seiner Kunst. Ich wünsche Dieter weiterhin viel Erfolg!

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